Hautprobleme- Wenn die Haut verrückt spielt

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Rötungen, Pickelchen, Quaddeln - gerade während der heißen Tage fallen Hautprobleme wieder besonders auf. Wir stellen die häufigsten Symptome vor, sagen, was dahinterstecken könnte und was hilft, damit Sie sich wieder wohl in Ihrer Haut fühlen

Fachliche Beratung: Dr. Sonja Blaschke-Grünvogel; Dr. Kathrin Friedl
Es ist im wahrsten Wortsinn zum Aus­der-Haut-Fahren: Fast jeder Dritte in Deutschland leidet laut einer Studie der Uni Hamburg unter dermatolo­gischen Problemen, die behandlungs­bedürftig sind. Und die Zahl der Erkrankungen nimmt stetig zu, weil Umweltbelastungen, Allergien und Stress unser größtes Organ zunehmend aus der Balance bringen.

Das Problem: Egal, ob Pickel, Quaddeln, Flecken oder Risse - keines der Zeichen, mit denen die Haut reagiert, ist für den Laien eindeutig. Deshalb erklären Dermatologen auf den folgenden Seiten typische Hautprobleme und sagen, welche neuen Therapien und Medikamente (auch aus der Natur) dagegen helfen.


"ICH HABE ROTE, JUCKENDE STELLEN"

Daran könnte es liegen: Wahrscheinlich hat sich auf Ihrer Haut ein Ekzem gebildet. Es entsteht vor allem infolge von Allergien, Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder der Hautkrankheit Neurodermitis. Für Letztere gibt es eine genetische Veranlagung.

Das können Sie tun: Akut lindern verschreibungspflichtige Kortisoncremes die Entzündungen. "Ich verordne sie meist aber nur in Intervallen von zwei bis drei Tagen, damit sich der Körper nicht daran gewöhnt", sagt Dr. Sonja Blaschke-Grünvogel, Dermatologin und Expertin für Naturheilverfahren aus München. Naturheilkundlich haben sich pures Aloe-vera-Gel (z. B. von Santaverde, zweimal täglich auf die Haut tupfen) oder homöopathische Cremes (z. B. "Ekzevowen", "Dermaplant") bei Ekzemen bewährt.

Dazu sollten Sie von Ihrem Arzt einen Allergie- und Nahrungsmittelunverträglichkeitentest einfordern (zahlt in der Regel die Kasse), damit Sie die Auslöser meiden können. Nach dem akuten Schub muss neurodermitische Haut regelmäßig eingecremt werden: Ideal sind Salben mit Nachtkerzenöl (z. B. von Kneipp), Johanniskraut (z. B. "Bedan") und Distelöl (z. B. "Linola fett"). Schlägt die klassische Therapie nicht an, kann eine Darmsanierung weiterhelfen, die naturheilkundlich orientierte Dermatologen anbieten (um 100 Euro für Beratung, Laborkosten und Medikamente). "Denn eine durch Pilze oder Gifte geschädigte Darmflora schwächt auch die Haut", warnt Dr. Blaschke-Grünvogel. Je nach Befund wird der Arzt dann etwa ein Antipilzmittel, Entgiftungspräparat und Probiotika (z. B. "Mutaflor") verordnen, um die gesunde Darmflora wieder zu fördern.


"AUF MEINER NASE BILDEN SICH HÄUFIG VIELE PICKELCHEN"

Daran könnte es liegen: Vermutlich "quetschen" Sie gern. Durch den Druck verteilen sich die Bakterien im Gewebe und lassen im Umkreis des alten Pickels neue sprießen.

Das können Sie tun: Sprühgele mit elektro­chemisch aktivierten Mineralsalzlösungen (z. B. "Skin Balance") stoppen die Ausbreitung der Bakterien und unterstützen die Heilung. Zudem sollten Sie Ihre Ernährung überprüfen:"In der Milch stecken laut Studien Hormone, die Pickel sprießen lassen", so die Regens­burger Hautärztin Dr. Kathrin Friedl.

Auch Schweinefleisch und Zucker stehen im Verdacht, Hautunreinheiten zu fördern. Der Dermatologe kann abschälende und antibakterielle Arzneien (z. B. "Skinoren") verordnen. Oder die Haut mit blauem Licht bestrahlen: Studien zeigen, dass sogar eine Akne (eine Erkrankung des Talgdrüsenapparats) um 60 Prozent zurückgeht, wenn sie zweimal wöchentlich einen Monat lang mit blauem Licht bestrahlt wird (rund 16 Euro pro Sitzung).
Und: Auch bei Akne kann eine Darmsanierung (siehe "juckende Stellen") sinnvoll sein. Dermatologin Blaschke-Grünvogel: "Ist der Darm geschwächt, entgiftet der Körper über die Haut, und Pickel entstehen." Der Rat der Expertin: eine dreimonatige Detox-Kur (z. B. mit "Panaceo Basic-Detox").


"MEINE HAUT IST VOLLER BLÄSCHEN"

Daran könnte es liegen: Nesselsucht wäre eine denkbare Diagnose. Dafür spricht juckende Haut, die aussieht, als ob man in Brennnesseln gefasst hätte. "Nesselsucht entsteht infolge von Allergien, bakteriellen Infekten oder auch von seelischem Stress", weiß Dermatologe und Autor Dr. Lüder Jachens ("Hautkrankheiten ganzheitlich heilen").

Das können Sie tun: Verursacher der Quaddeln (rötliche oder weiße, mit Flüssigkeit gefüllte Erhebungen der Haut) ist der körpereigene Botenstoff Histamin. Antihistaminika als Gele (z. B. "Fenistil") oder Tabletten (z. B. "Lorano akut") lindern die Symptome. Naturheilkundlich lassen Gele mit Arnika und homöopathisch dosierter Brennnessel (z. B. in "Combudoron") die Quaddeln abklingen.

"Bei einer chronischen Nesselsucht sollte der Arzt anhand eines Allergietests oder einer Untersuchung auf Bakterien die Ursache ermitteln und sie gegebenenfalls mit Antibiotika behandeln", empfiehlt Dr. Kathrin Friedl.


"DA IST SEIT KURZEM SO EIN DUNKLER FLECK AUF MEINER WANGE"

Das könnte es sein: Wahrscheinlich handelt es sich um eine einfache Pigmentveränderung. "Weil die Zahl der an Hautkrebs Erkrankten enorm steigt, sollten Sie jeden dunklen Fleck, der größer als zwei Millimeter ist, genau beobachten", rät Dr. Sonja Blaschke-Grünvogel. Die Hautveränderung könnte bösartig sein, wenn der Fleck asymmetrisch ist und unscharf begrenzte Ränder sowie verschiedene Farben aufweist - schwarze, bläuliche, rote und graue Areale deuten oft auf ein Melanom hin.

Das können Sie tun: Lassen Sie verdächtige Male vom Dermatologen checken - und gehen Sie ab 35 Jahren alle zwei Jahre zur Hautkrebsvorsorge. In zweideutigen Fällen hilft bei der Diagnose die neue "Nevisense"-Methode: Dabei misst der Arzt schmerzfrei den Gesamtwiderstand der Haut und erkennt Krebszellen daran, dass ihre elektrische Leitfähigkeit anders ist als die der gesunden Areale. Bei der Diagnose "Krebs" muss die Hautveränderung rasch entfernt werden - dann ist Hautkrebs aber zu fast 100 Prozent heilbar.


"ZWISCHEN MEINEN ZEHEN JUCKT ES"

Daran könnte es liegen: Ist die Haut zusätzlich gerötet und schuppt sich, haben Sie vermutlich einen Fußpilz.

Das können Sie tun: "Tragen Sie beim ersten Jucken direkt eine Antipilzcreme auf. So verhindern Sie, dass der Pilz chronisch wird", sagt Dermatologin Dr. Blaschke-Grünvogel. "Bewährt hat sich der Wirkstoff ,Ciclopirox' (z. B. in ,Selergo', ,Batrafen'). Gegen das lange gebräuchliche ,Clotrimazol' sind bereits viele Pilze unempfindlich." Zudem sollten Sie Ihre Schuhe desinfizieren (z. B. mit "Calcifu"), damit Sie sich nicht wieder bei sich selbst anstecken.

Der Pilz kommt trotzdem wieder? Lassen Sie von einem naturheilkundlichen Dermatologen den Säure-Basen-Haushalt Ihres Körpers überprüfen. Blaschke-Grünvogel: "Nur in einem sauren Milieu können Pilze wachsen." Beim Abbau der Übersäuerung hilft eine basische Ernährung (viel Gemüse und wenig Zucker, Fleisch und Weißmehl) oder die Einnahme von Basenpulvern (z. B. "Basica" oder "tri.balance") - so lange, bis der Pilz abgeklungen ist.


"MEINE WANGEN GLÜHEN OFT"

Daran könnte es liegen: Wenn Sie in der Mitte des Gesichts häufig rote Flecken (eventuell mit Pusteln) entdecken, liegt die Diagnose "Rosa­zea" nahe. Die Ursache der Hautentzündung ist noch nicht gut erforscht, Betroffene haben meist aber eine höhere Besiedlung der Haut mit Haarbalgmilben als Gesunde.

Das können Sie tun: "Ziehen Sie gleich einen Dermatologen hinzu", rät Dr. Kathrin Friedl. "Eine frühe Behandlung kann verhindern, dass die Hautkrankheit schlimmer wird." Seit Kurzem gibt es eine ivermectinhaltige Creme ("Soolantra"), die die Milben bekämpft und damit die Rosazea deutlich bessert.

Weil die Flecken schubweise aufflammen, sollten Sie ein Tagebuch führen, um herauszufinden, was die Rötung auslöst. Häufig sind dies scharfe Gewürze, Alkohol, viel Sonne, Stress oder ein Temperaturwechsel. "Bei meinen Rosazea-Patientinnen finde ich häufig auch eine Schwermetall­belastung (z. B. Quecksilber aus alten Zahnfüllungen) im Darm", sagt Dr. Blaschke-Grünvogel. "Sobald das Gift mit Detox­Mitteln ausgeleitet ist (siehe ,Pickel'), bessert sich das Hautbild meist."


"NARBEN VERHEILEN BEI MIR SCHLECHT"

Daran könnte es liegen: Es ist leider eine Frage der Veranlagung, wie schön Narben verheilen - da kann sich der Chirurg beim Nähen noch so viel Mühe geben. Daneben beeinflussen aber auch Infektionen der Wunde und der Ort der Verletzung die Narbenbildung: An stark beanspruchten Stellen, wie an den Gelenken, stehen Narben ständig unter Zug und verheilen schlechter.

Das können Sie tun: "Ein neues Narbenpflaster (,Contractubex Intensivpatch', Stück ca. 1 Euro) verbindet jetzt die zwei besten Mittel gegen Narben - Zwiebelschalenextrakte und feuchtes Silikon - miteinander", weiß Dermatologin Friedl. Auch ätherische Öle aus der Kamille und Rosmarin (z. B. in "Bi-Oil") können laut Studien das Hautbild verbessern.

Eine Narbenbehandlung erfordert aber Geduld, es kann bis zu einem Jahr dauern, bis das Ergebnis zufriedenstellend ist. Schneller hilft der Fraxel-Laser (beim Dermatologen, ab 350 Euro), indem er - je nach Narbe - die Kollagenproduktion der Haut anregt oder überschüssiges Gewebe abträgt. "Schmerzende Narben bessern sich (auch optisch) mit der Neuraltherapie, bei der die Haut mit einem Betäubungsmittel (z. B. ,Procain') unterspritzt wird", ergänzt Dr. Blaschke-Grünvogel. Manche Kassen übernehmen auf Nachfrage die Kosten (ca. 50 Euro pro Sitzung, vier bis sieben Unterspritzungen sind meist nötig).


DAS KÖNNEN SIE JEDEN TAG TUN, UM IHRE HAUT IN BALANCE ZU HALTEN

Höchstens einmal täglich duschen. Und das maximal zehn Minuten und bei höchstens 35 Grad - sonst trocknet die Haut aus. Beim Duschgel geizen. Ein haselnussgroßer Klecks reicht für den ganzen Körper. Am hautschonendsten sind Produkte mit einem pH-Wert von 5,5. Nach dem Duschen eine Bodylotion verwenden. Die Creme nicht zu dick auftragen, lieber häufiger und regelmäßig anwenden.


SO PFLEGEN SIE GEREIZTE HAUT RICHTIG

Mindestens zweimal täglich eincremen. Bei Entzündungen eher dünnflüssigere und weniger fettreiche Cremes verwenden, sie kühlen und verhindern einen Wärmestau, der Entzündungen fördert. Produkte mit möglichst wenigen, dafür aber hochwertigen Inhaltsstoffen bevorzugen, damit sie keine neuen Allergien auslösen.

 

Quelle: freundin, Ausgabe 18/2015, Seiten 125-129